Am 8. September begehen wir den Internationalen Tag der Alphabetisierung. Dieser erinnert uns daran, dass fast jeder siebte Mensch Analphabet ist (Quelle: www.journee-mondiale.com). Besonders betroffen sind Frauen.

Die Alphabetisierung – wichtiger Baustein in der Entwicklung
Alphabetisierung ist mehr als Lesen und Schreiben lernen. Wer erinnert sich nicht an seine ersten Schreibversuche in der Grundschule, zuerst in Heften mit breiter Lineatur (1). Und an die unzähligen Zahlen- und Buchstabenreihen, bis man schließlich zu Heften mit feiner Lineatur übergehen konnte (2) – der Beweis, dass man es geschafft hatte!
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Ich erinnere mich gut, dass Lesen und Schreiben lernen für mich eine echte Offenbarung war. Ich weiß noch, wie ich bei meiner Tagesmutter schon nach kurzer Zeit die Anzeigen in der Fernsehzeitung gelesen habe, angeblich zum “Üben”. Ok, ich schweife ein bisschen ab, aber ich war ein echter Fan von Zahlen und Buchstaben, weil ich plötzlich Kreuzworträtsel machen und Scrabble spielen konnte – mach ich übrigens immer noch gern (Aber bei so Sachen wie Sudoku kann man mich vergessen).

Schon gewusst?
Schon seit der Antike wurden Kinder ab 5 Jahren im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. (Quelle)
Ein Recht auf Bildung für alle?
Bildung ist ein Menschenrecht. So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Artikel 26:
- Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muss allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offen stehen.
- Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.
- Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.
Von der Alphabetisierung zum Analphabetismus: SOS sms?
Von der Alphabetisierung zum Analphabetismus ist es nur ein kleiner Schritt. Denn zu den Analphabeten zählen auch solche Menschen, die zwar zur Schule gegangen sind, aber die Fähigkeit zum Lesen, Schreiben und Rechnen wieder verloren haben.
Aber warum gibt es heute überhaupt noch Länder mit vielen Analphabeten? Warum betrifft das Problem auch Wirtschaftsmächte?
Sicher, einige Länder, etwa in Afrika, haben mit Armut und fehlendem Zugang zu Bildung zu kämpfen. Hier ist der Analphabetismus leider nur zu verständlich. Aber warum steigt der Analphabetismus auch in Ländern wie Frankreich? Liegt es am Bildungssystem? Gibt es zu viele Schüler pro Klasse? Sind die Handys und eine neue Generation junger Menschen schuld, die nur noch schreiben, wie sie hören, und dabei alle Regeln vergessen, die sie in der Schule gelernt haben? Es stimmt, und das ist nur meine persönliche Meinung, dass die Entwicklung neuer Technologien seit den 70er Jahren dazu beigetragen hat unseren Alltag einfacherer zu machen, aber gleichzeitig kam es zu einem perversen Boomerang-Effekt. Will sagen, vor Zeiten des Taschenrechners hatte man nichts anderes übrig als seine Rechnungen im Kopf oder auf dem Papier zu machen. Der Taschenrechner hat unser Hirn schwammiger werden lassen, und damit meine ich auch mein eigenes. Das ist also meine eigene schwammige Berechnung
Mal ehrlich, ich bin wirklich schockiert, wenn ich sehe, wie viele Jugendliche heute im sms-Style schreiben (damit meine ich, wenn man Wörter rein nach ihrer Aussprache schreibt, natürlich voller Rechtschreibfehler – für mich ein absoluter Horror) oder einfach nach Gehör, sogar in offiziellen Dokumenten (ich komm bestimmt echt alt rüber). Sind diese Jugendlichen die neuen Anwärter auf späteren Analphabetismus oder können sie noch den Unterschied machen? Da bin ich mir nicht sicher, denn auch wenn man mit einer abgekürzten Schreibweise Zeit sparen kann (z.B. wenn man etwas mitschreiben muss), ist es doch nichts anderes als die Sache mit dem Taschenrechner: der Kopf wird faul. Ich habe selbst mal einen Speed-Writing Kurs gemacht, und um Notizen zu machen, war es eine praktische Sache. Trotzdem bleibe ich der Meinung, dass korrekt schreiben und lesen wichtig ist, um das Gelernte zu behalten. Mein Handy Provider dankt mir jedenfalls meinen hohen sms-Verbrauch, weil ich immer noch gern vollständige Wörter schreibe (jetzt komme ich definitiv alt rüber). Und schließlich lesen wir auch immer weniger. Und das hilft uns auch nicht gerade. Lesen hilft beim Schreiben. Und wenn wir nicht alle mit Alzheimer enden wollen, sollten wir uns vielleicht mal wieder ein Buch vornehmen oder ein gutes altes Kreuzworträtsel. Meinetwegen auch Sudoku.

Ein paar Zahlen: Der Stand analphabetischer Jugendlicher über 15 Jahre in Europa
(Quelle)

Eine kleine Weltkarte der Alphabetisierung
Das Alphabet und die Kunst
Schauen wir uns das Thema Alphabetisierung mal aus einem spielerischen Blickwinkel an. In Alphabetisierung steckt Alphabet, aber steckt das nicht auch in Kunst? Hier ein paar schön anzusehende Kunstwerke. Aber vorher ein kleines Lesespiel ab 6 Jahren mit diesem herrlichen Kunstwerk hier.

Wo versteckt sich der Buchstabe O im Bild von Matisse oder der Buchstabe x im Bild von Dufy? Finde die 26 Buchstaben des Alphabets in den bekannten Meisterwerken.
Ody Saban und einige seiner Werke


Ein Gemälde des zeitgenössischen Malers JP Alaux

Ein etwas eigentümliches Kunstwerk mit Bacon (ist aber ein Original)

Beispiel des Alphabets von Erté



Aber wer von Alphabet spricht spricht auch von Typographie, oder nicht? Also werde ich zum gefühlten 1 millionsten Mal einen unserer Grafik-Designer bemühen – gestatten: Monry. Und wenn mir jemand einen anderen Meister der Typografie finden kann, dann her damit
(Monry muss mir bald eine Provision auf seine Verkäufe zahlen, so oft wie ich seinen Namen bringe
)

Das Alphabet und die Mode
Und welche Role spielt die Mode dabei? Außer Basics Wie Buchtaben-T-Shirts habe ich ein kleines, ganz wunderhübsches Schmuckstück aufgetrieben.
1970 brachte der Luxus-Lederwarenhändler Lancel eine vom Daligramm des Surrealisten Dali inspirierte Kollektion heraus. Das Bild eines Liebesalphabets ist eine Hommage an seine Muse und Liebe seines Lebens Gala. (Quelle)

Weiterführende Lektüre für alle, die noch mehr wissen wollen
Was denkst Du über dieses Thema? Glaubst Du, dass die Zahl der Analphabeten weiter steigen wird? Kennst Du Leute, die zum Welttag der Alphabetisierung eine Aktion machen? Deine Meinung interessiert mich, kommentiere und diskutiere mit!
